Gin

Gin ist Trend und der Siegeszug des Gin Tonic scheint kein Ende zu finden | © BSI

Der Botaniker unter den Spirituosen

Nimmt man zum Maßstab, wie viele neue Marken einer Gattung das Licht der Genusswelt erblicken, so muss der Gin als die innovativste und experimentierfreudigste Spirituose der vergangenen Jahre gelten. Gin ist Trend und der Siegeszug des Gin Tonic scheint kein Ende zu finden. In guten Bars stehen internationale Marken mit langer Tradition neben heimischen Newcomern mit wachsender Reputation – zur Freude der Gin – Liebhaber. Worin liegt jedoch das verlockende Geheimnis des Gins?

Im Gegensatz zu Whisky, Wodka oder Rum spielt beim Gin nicht die Grundzutat zum Destillieren die Hauptrolle, sondern es sind die pflanzlichen Zusatzstoffe, die dem Gin sein geschmackliches Profil und seine aromatische Vielfalt verleihen. Die sogenannten „Botanicals“ machen also den Gin aus. Je nach Stil und Marke unterscheiden sie sich beträchtlich sowohl in der Anzahl – zwischen kaum zehn bis fast fünfzig Botanicals – als auch der Auswahl. Doch jenseits möglicher Zugaben von Ingwer oder Muskat, Orangenzeste oder Paradiesapfelkernen, Kardamon oder Fenchel, grünem Tee oder gelben Safran ... ist allen Gins eines gemeinsam: das Aroma der Wacholderbeere.

Gruppenbild mit Wacholder

Der Wacholder ist der Namensstifter des Gins. Es sind die Niederländer, die als erste eine Spirituose mit Wacholder herstellten und sie abgewandelt vom lateinischen Namen Juniperus „Jenever“ nennen. Als ihr Landsmann Wilhelm III. von Oranien-Nassau den englischen Thron besteigt (1689), nimmt er seinen Jenever oder Genever mit auf die Insel, auf der die bekehrten Untertanen alsbald ihren Gin selber herstellen.

Für die Produktion von Gin darf nach der EU-Verordnung ausschließlich Ethylalkohol aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen verwendet werden. Dies ist in den allermeisten Fällen Getreide. Es gibt aber beispielsweise französische Destiller, die – eher dem Cognac vergleichbar – ihren Gin auf Basis von Branntwein kreieren.

Die Aromatisierung des Gins mit den Botanicals erfolgt während der Destillation und nicht im Nachhinein. Dazu geben die Distiller die Zutaten direkt in die Maische, so dass diese „mitgebrannt“ werden, oder sie führen die entstehenden Alkoholdämpfe über die Botanicals, damit sie die Aromen aufnehmen. Das mehrfache Brennen des Destillats wie auch die besonderen Brennblasen prägen die Charakteristik des Gins zusätzlich aus. Der Mindestalkoholgehalt für Gin beträgt 37,5 % vol. Aus sensorischen Gründen erhalten bestimmte Abfüllungen auch einen höheren Alkoholanteil, schließlich ist der Alkohol wichtiger Geschmacksträger.

Eine Frage des Stils

Die Vielfalt des Gins macht es zunehmend schwieriger, eine einheitliche Stilistik zu beschreiben. Die Fachwelt hält an Unterscheidungen wie „London Gin“ oder „Old Tom Gin“ fest, um unterschiedliche Ausprägungen von Süße – vor allem in Hinblick auf verschiedene Cocktail-Klassiker – zu benennen. Immer ausgefeilter gestalten sich auch die Gin Tonic-Rezepturen der einzelnen Marken. Abgestimmt auf ein bestimmtes Tonic Water, mit oder ohne Gurke, oder doch lieber mit frischem Basilikum – auch hier blitzt die Experimentier- und Genussfreude der Gin-Gemeinde wieder auf.

Um so mehr gilt – mit Maß haltendem Feinsinn – für Gin die alte Redensart: Probieren geht über Studieren.

Die gesetzlichen Vorgaben für Gin regelt die europäische Spirituosenverordnung in Anhang II. (Link auf Dokument unter Daten & Fakten)