Obstbrand

Der Obstbrand zeichnet sich durch große Vielfalt aus | © BSI

Von Brand und Wasser

Obstbrand ist die Bezeichnung für eine Spirituosengattung, zu der als bekannteste Sorten Kirschwasser, Zwetschgenwasser oder Williamsbirnenbrand gehören. Obstbrand wird aus nahezu allen Obstsorten und Beeren hergestellt, wobei die Früchte oder der Most dieser Früchte zunächst eingemaischt und dann vergoren werden. Die vergorene Maische wird sodann destilliert. D. h. bei Obstbränden stammt, anders als bei Obstgeisten der gesamte Alkohol aus der Frucht.

Bei der Bezeichnung eines Obstbrandes wird die jeweilige Frucht in Verbindung mit den Silben „-brand“ oder „-wasser“ genannt. Bei einigen Obstbränden ist auch eine Kurzbezeichnung wie „Kirsch“ oder „Williams“ möglich. Dies sieht die europäische Spirituosenverordnung (Verordnung (EG) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2008, Anhang II, Nr. 9 Obstbrand) ausdrücklich vor. Werden die Maischen verschiedener Obstsorten zusammen destilliert, wird dieses Erzeugnis als „Obstbrand“ bezeichnet.

Die Spirituosengattung Obstbrand zeichnet sich durch ihre große Vielfalt aus. Aus nahezu allen Obstsorten werden Obstbrände gebrannt. Der wichtigste Rohstoff der Obstbrenner ist Steinobst, also z. B. Kirschen, Pflaumen oder Mirabellen, und Kernobst wie Äpfel und Birnen. Daneben gibt es aber auch weniger bekannte Obst- oder Beerensorten, die sich ebenfalls gut zur Herstellung von Obstbränden eigenen, wie z. B. Quitten, Schlehen, Zibarten oder Vogelbeeren.

Neben der besonderen Vielfalt der Obstbrände unterscheiden sie sich in einem weiteren wesentlichen Punkt von anderen bekannten Spirituosen wie Rum, Whisky, Wodka, Korn oder Weinbrand: der Destillationshöchstgrenze. Im Gegensatz zu den genannten Spirituosen dürfen Obstbrände nur bis zu weniger als 86 % vol Alkohol destilliert werden. Dies bedeutet, dass bei ihnen der Geschmack und das Aroma des Ausgangsstoffes, also der jeweiligen Obstsorte, erhalten bleiben. Rum, Whisky oder Weinbrand können bis deutlich über 90 % vol Alkohol destilliert werden, für Wodka gilt die gleiche Obergrenze wie für Neutralalkohol.

Obstbrände haben einen gesetzlichen Mindestalkoholgehalt von 37,5 % vol, für einige Obstbrände aus dem Schwarzwald oder Franken gilt ein Mindestalkoholgehalt von 40 % vol. Sie dürfen nicht verschnitten werden, d. h. ihnen darf kein anderer Alkohol zugegeben werden. Außerdem gilt für sie ein Aromatisierungsverbot. Erzeugnisse, welche dieses „Reinheitsgebot“ nicht einhalten, müssen die neutrale Bezeichnung „Spirituose“ führen.