Tequila

Tequila ist untrennbar mit Lifestyle und Lebensfreude verwoben | © BSI

Aus dem Herz der blauen Agave

Tequila, das Nationalgetränk der Mexikaner, wird nach den strengen Gesetzen der mexikanischen Regierung in den Gebieten Jalisco, Nayarit, Guanajuato, Michoacán und Tamaulipas produziert. Die bekanntesten Tequilas haben ihre Heimat in 1.500 bis über 2.000 Metern Höhe rund um Guadalajara, die Hauptstadt der Provinz Jalisco. Für Tequila dürfen ausschließlich die Herzstücke einer speziellen Agavenart, der Blauen Agave „Tequilana Weber“, verarbeitet werden. Den Beinamen „Weber“ erhielt die Pflanzenart in Anlehnung an den Botaniker Frédéric Albert Constantin Weber, der 1902 die erste Beschreibung der Blauen Agave veröffentlichte.

Der Name des Liliengewächses, welches mit der Aloe-Vera-Pflanze verwandt ist, geht auf Agaue zurück, die griechische Göttin der Erhabenheit und Tochter der Harmonie. In der Mythologie der mesoamerikanischen Hochkulturen verliebte sich der Schöpfergott Quetzalcoatl in die wunderschöne Göttin Mayahuel und entführte sie in sein Reich. Von dort wurde sie nach Mesoamerika zurückgeholt und zahlte für ihre Liebschaft mit ihrem Leben. Die Trauer Quetzalcoatls über den Verlust der Mayahuel brachte den Menschen die Fähigkeit zu lieben. Gegossen mit seinen Tränen wuchs aus ihrem begrabenen Körper die erste Agave.

Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Spirituosen ist das beeindruckende Alter des zu Grunde liegenden Rohstoffes. Erst acht bis 12 Jahre nach Pflanzung sind die hochwertigen Agavenpflanzen reif und können geerntet werden. Der lange Fruchtzyklus unterstreicht die Kostbarkeit der Kategorie. Die Ernte geschieht traditionell per Hand. Als Werkzeug benutzen die Arbeiter die sogenannte Coa. Dabei wird die Agave zunächst gestürzt, anschließend werden die Blätter (Hojas) entfernt, sodass nur die sogenannte „Piña“ (das Herz) übrig bleibt. Es folgt die Verarbeitung der 40 bis 60 Kilo schweren Herzen. Diese werden daraufhin gedämpft und auf niedriger Temperatur gegart. Die im Wachstumsprozess der Pflanze gebundene Fructose wird auf diese Weise in Zucker umgewandelt.

Im Anschluss an das Garen erfolgt das sanfte Pressen der jetzt weichen fruchtig-milden Früchte und die damit einhergehende schrittweise Entsaftung. Der gewonnene Fruchtsaft wird gegärt, wodurch man einen „Agavenwein“, die sogenannte „Pulque“ mit einem Alkoholgehalt von 8 bis 11 %, gewinnt. Dieser wird bestenfalls in traditionellem Verfahren in den typischen Kupferkesseln (Alambiques) mindestens zweifach destilliert. Nach der ersten Destillation hat Tequila einen Alkoholgehalt von ca. 24 % (Ordinario), nach der zweiten knapp 55 % (Tequila). Ein dritter, aufwändiger Destillationsprozess wird in Einzelfällen angewandt, um individuell einen besonders fruchtigen Geschmack zu erzielen.

Nach der Destillation folgt die Lagerung, die je nach Kategorie des Tequilas entsprechend lange dauert. Aber nicht nur die Dauer der Lagerung, sondern auch andere Faktoren nehmen Einfluss auf die Reifung des Tequilas: So kann zum einen das Holz, aus welchem das Fass gebaut wurde, einen entscheidenden Anteil beitragen und zum anderen die Fassgröße, die die Intensität der Reifung beeinflusst. Die hochprozentigen Destillate werden final mit Wasser auf Trinkstärke reduziert. Die meisten Tequilas haben 38 bis 40 % Alkoholvolumen, es gibt jedoch auch Tequilas mit deutlich höherem Alkoholgehalt.

Streng kontrollierte Qualität

Die Erfindung des Tequilas dürfen wohl die Spanier für sich in Anspruch nehmen, die nachweislich bereits im 16. Jahrhundert mit dem Brennen des Agavensaftes begannen. Der Tequila ist nicht nur die mexikanische Nationalspirituose, sondern erfreut sich weltweit vieler Freunde. Auch beim nördlichen Nachbarn Mexikos, den Vereinigten Staaten von Amerika, ist Tequila seit Jahrzehnten untrennbar mit Lifestyle und Lebensfreude verwoben. Schon während der US-amerikanischen Prohibition boten zahlreiche mexikanische Grenzstädte all jenen, die Lust auf einen Drink haben, ein gesegnetes Exil auf Zeit. Cocktail-Kreation wie die Margarita gehören daraufhin bald weltweit zum Standardrepertoire jeder anspruchsvollen Bar. Weitere Drinks wie der Tequila Sunrise folgten. Tequila-Cocktails und Tequila pur bestimmen heute das Nachtleben weltweit mit und werden dies mit Sicherheit auch in Zukunft weiter mitgestalten.

Herkunft und Produktion werden vom Consejo Regulador del Tequila A.C. streng überwacht. Nur Destilerias, die die strengen Auflagen für Qualität und Herkunft erfüllen, erhalten ihre individuellen Kontrollnummern – die Número de Orígen Mejicano und die Denominación de Orígen Tequila. Die genauen Anforderungen der geschützten Herkunftsbezeichnung und der dazugehörigen Kategorisierung sind auf der Webpräsenz des Consejo Regulador del Tequila A.C. einzusehen.