Weinbrand

Rund tausend Jahre gehen die Menschen bereits seiner nach | © BSI

Der Weinbrand hat eine große Familie und ganz eigene Qualitäten

Wer über Weinbrand spricht, sollte seine Worte mit Bedacht wählen, denn wenn es um Spirituosen aus Wein geht, hat alles seine eigene, feine Bedeutung. Dies mag daran liegen, dass die Menschen der Weinbrandherstellung bereits gute tausend Jahre nachgehen und damit die Kulturgeschichte dieser Spirituose sicherlich zu den ältesten seiner Art zählt.

Entsprechend groß ist allein die europäische Familie des Weinbrands und jedes einzelne Mitglied will richtig verstanden sein sowie seine Besonderheiten der Herkunft und Herstellung berücksichtigt wissen. Denken wir nur an den Cognac und den Armagnac. Vergessen wir nicht die stolze Tradition der spanischen Brandys oder die Verwandten aus Italien, Portugal und Griechenland, so gewinnen wir eine erste Vorstellung davon, wie viel bei den Spirituosen aus Wein der feine Unterschied bedeutet.

Zusätzliche Verwirrung stiftet der deutsche Sprachgebrauch, der unter Weinbrand auch Spirituosen aus Weindestillat zählt, die weder nach EU-Verordnung ein Weinbrand sind noch sich „Deutscher Weinbrand“ nennen dürfen, da sie den vorgeschriebenen Mindestalkohol von 36 % vol (EU) oder 38 % vol (Deutscher Weinbrand) nicht aufweisen.

Am Ende steht eine Vermählung

Neben dem Mindestalkoholgehalt und der ausschließlichen Verwendung von Weindestillat schreibt die EU-Verordnung auch eine Mindestlagerzeit in Eichenholzfässern von sechs oder zwölf Monaten vor – abhängig von der Fassgröße. Dagegen zählen die Farbe des Weinbrands sowie eine Herkunftsbezeichnung, eine Altersangabe oder besondere Herstellungs- und Lagermethoden nicht zu den vorgegebenen Qualitätsmerkmalen. Womit wir wieder bei den feinen Unterschieden in der weitläufigen Weinbrand-Familie wären, die älter sind als jede EU-Verordnung.

Zu Beginn der Herstellung des Weinbrands steht die sorgfältige Auswahl der Weine für das Destillat. Traditionell unterscheidet man beim Brennen den sogenannten Raubrand sowie den sich anschließenden Feinbrand. Im Grundsatz handelt es sich dabei um eine Veredelung des Brands, da durch die zweite Destillation nicht gewollte Stoffe wie Fuselöle entzogen werden. Vom zweiten Brennvorgang verwendet der Brennmeister – wie auch bei der Herstellung anderer Spirituosen üblich – nur den Mittellauf, das qualitätsmäßige Herzstück der Destillation.

Der Weinbrand ist nun ein wasserklares Destillat von rund 70 % Alkoholvolumen. Erst während der Reife in Eichenholzfässern nimmt er seine Färbung an. Der Austausch mit dem Holz, meist Limousin-Eiche, verfeinert sein Aroma und macht den Weinbrand milder. Nach der Lagerung, die meist wesentlich länger dauert als vorgeschrieben, „vermählt“ der Kellermeister unterschiedliche Destillate, um jenen einzigartigen Geschmack mit all seinen prägenden Noten zu komponieren, der für eine Weinbrand-Marke und das Renommee des Herstellers steht.

Begleiter durch die Zeiten

Eine Generation lernte den Weinbrand als genussreichen Abschluss einer geselligen Mahlzeit zu würdigen. Eine andere mochte ihn lieber mit Cola, Tonic oder Soda und eine weitere entdeckt den Weinbrand wieder neu als Cocktail-Spirituose mit klassischem Anspruch. Man muss kein Historiker sein, um zu verstehen, warum der Weinbrand auch noch weitere tausend Jahren seine Freunde und Genießer finden wird.

Die gesetzlichen Vorgaben für Weinbrand regelt die europäische Spirituosenverordnung in Anhang II. Darüber hinaus gelten zusätzliche Anforderungen für die Bezeichnung als „Deutscher Weinbrand“.