Whisky

Aus dem „Wasser des Lebens“ kann eine Weltanschauung werden | © BSI

Weltanschauung Whisky

Ohne Zweifel leuchtet der Stern des Whiskys besonders hell am Spirituosenhimmel. Seit mehr als einem halben Jahrtausend – wenn man sich nur auf urkundliche Erwähnungen stützt – sicherlich aber noch viel länger, erweist sich das „Wasser des Lebens“ als treuer und genussreicher Kulturbegleiter des Menschen. So mancher Kenner der Materie hält es gar mit dem englischen Schriftsteller Rudyard Kipling, der im Whisky nicht bloß ein Getränk, sondern gleich eine „Weltanschauung“ ausmachte.

Eine Weltanschauung, die von außergewöhnlicher Vielfalt gekennzeichnet ist. Sie besitzt schottische und irische Wurzeln, hat in Nordamerika mit neuen Zutaten neue Wege beschritten und ist mittlerweile auch in vielen Ländern Asiens und Kontinentaleuropas zuhause. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Whisky ist ein Brand aus Getreide. Doch welches Getreide in welcher Verarbeitung die Zutat des Destillierens bildet – darin unterscheiden sich die Whiskys, Whiskeys und Bourbons.

Flüssiges Brot

Jenseits der Herkunftsbezeichnung erschließt sich die Welt des Whiskys am einfachsten, wenn man ihn anhand seiner Rohstoffe unterscheidet. So bezeichnet ein Malt Whisky ein Destillat, das ausschließlich aus gemälzter Gerste (Malz) gebrannt wird. Dagegen enthält ein Grain Whisky auch andere Getreidesorten (Grain) wie Weizen, Roggen, aber auch Mais. Wird für einen Grain Whisky auch Gerste der Maische beigefügt, ist diese stets ungemälzt. Ein amerikanischer Bourbon besteht überwiegend aus Mais und der Rye Whisky erhält seinen Namen vom hauptsächlich eingebrachten Roggen.

Nach dem Schroten des Korns setzen die Destiller durch Zugabe von Wasser die Maische auf, die nach der Gärung den sogenannten „wash“ mit fünf bis acht Prozent Alkoholvolumen liefert. Es folgt der erste Brennvorgang im „wash still“. Der so gewonnene Rohbrand durchläuft anschließend eine zweite Destillation in der „spirit still“ genannten Brennblase. Alle irische Whiskeys werden zudem ein drittes Mal gebrannt.

Drei Dinge machen einen Whisky

Die Zutaten, das Brennen und die Reife machen einen Whisky. Klingt anschaulich, ist aber deutlich komplexer. Es beginnt mit den zusätzlichen Aromen, die beispielsweise der Torf stiftet, wenn er zum Trocknen des Malzes verfeuert wird. Es setzt sich fort mit der Reife in Fässern, die gleichfalls eigene Noten und vor allem Farbe mitbringen, sowie dem Blenden, dem Zusammenführen unterschiedlicher Destillate und Whisky Arten. Nicht zu vergessen das Wasser, mit dem der hochprozentige Whisky auf Trinkstärke gebracht wird. Nach der EU-Spirituosenverordnung haben Whiskys einen Mindestalkoholgehalt von 40 % vol.

Bei einem Großteil der Marken Whiskys handelt es sich um Blended Whiskys. Hierbei werden mehrere Einzeldestillate gemischt, um das charakteristische Geschmacksprofil der jeweiligen Marke über Jahre zu gewährleisten. Ein Single Malt bezeichnet einen reinen Malt Whisky, der aus Einzeldestillaten einer Brennerei stammt. Ein Single Barrel steht für die Abfüllung aus einem „einzelnen“ Fass der Brennerei.

Während der jahrelangen – mindestens drei Jahre sind gesetzlich vorgeschrieben - Reife des Whiskys bildet sich der einzigartige Geschmackskosmos dieser Spirituose aus.  Um ein echter Kenner des „Wasser des Lebens“ zu werden, bedarf es daher mehr als umfassende Kenntnisse über Herstellung und Lagerung. Zur Weltanschauung Whisky kann sich nur bekennen, wer diese Spirituose mit Muße, Genuss und Maß zu trinken versteht. Umso tröstlicher wirkt daher eine alte schottische Redensart: „Es ist ein langer Weg zum Whisky-Experten - und es ist eine schöne Zeit dahin.“

Die gesetzlichen Vorgaben für Whisky regelt die europäische Spirituosenverordnung in Anhang II.