Wodka

Wodka ist die traditionelle Spirituose Osteuropas | © BSI

Rein, reiner, Wodka

Ähnlich den Schotten und Iren, die jeweils die Urheberschaft des Whiskys für sich beanspruchen, geht es den Polen und Russen beim Thema Wodka. Beide Länder sehen sich als Erfinder der Spirituose und beide führen dieselben Argumente ins Feld: Sowohl in der russischen als auch in der polnischen Sprache bezeichnet Wodka die Verkleinerungsform von Wasser. Zudem spricht der hohe Anteil des Getreideanbaus in beiden Ländern dafür, eben Roggen, Weizen oder Gerste als Grundzutat für die heimische Spirituosenherstellung zu verwenden.

Die erste urkundliche Erwähnung des Getreidebrands Wodka stammt aus dem Jahr 1405. Im 19. Jahrhundert entstehen die ersten Wodkas auf Basis von Kartoffeln, die ihre Karriere als preisgünstigere Alternative zum Getreide beginnen. Bis heute setzt sich diese Dualität fort und findet darin ihre genussvolle Berechtigung, dass es hervorragende Wodka-Qualitäten aus beiden Grundstoffen gibt.
 

Vom Traditionsbrand zur In-Spirituose

Der Wodka ist die traditionelle Spirituose Osteuropas. Aber auch in Skandinavien gehört der Brand auf Getreidebasis zu den heimischen Produkten und mit den deutschen Kornbränden ist er auf das Engste verwandt. Mitte des 19. Jahrhunderts stellen Brennereien in Polen und Russland die ersten Markenwodkas her, die wenig später erfolgreich nach Westeuropa exportiert werden. Dort gilt die Spirituose als kostbare regionale Spezialität.

Als nach der Oktoberrevolution die Bolschewisten unter Lenin die Herstellung und den Verkauf von Wodka verbieten, wandern viele russische Brenner aus und gründen in westeuropäischen Ländern sowie in Nordamerika neue Unternehmen. Viele heute bekannte Marken stehen für diese zweite Gründerzeit des modernen Wodkas.
 

Mehrfach gebrannt und filtriert

Der Wodka ist der Rationalist unter den Spirituosen. Bei seiner Herstellung geht es nicht um aromengetragenen Geschmack und einzigartige Farbe. Seine Qualität beruft sich nicht auf sensorische Vielfalt und Raffinesse. Der Wodka soll klar wie feinstes Wasser, möglichst geschmacksneutral und vollkommen frei von ungewollten Reststoffen des Destillierens wie Fuselölen sein.

Dieses Ideal prägt die Herstellung des Wodkas durch und durch. Nach dem Gären der Maische aus Getreide oder Kartoffel beginnt ein kontinuierlicher Brennvorgang, bei dem zunächst Rohalkohol entsteht, der anschließend mehrfach gebrannt wird, um ein stetig besseres Produkt zu gewinnen. Mit dem Ziel vor Augen, ein möglichst klares, sauberes und geschmacksneutrales Destillat herzustellen, erhält die Filtration des Wodkas einen besonderen Stellenwert. Kältefiltration, Filtration mit Aktivkohle oder Birkenkohle, mit Quarzsand oder gar Gold und Diamanten ... hier liegt so manche Besonderheit der einzelnen Wodkamarken begründet.

Lagerung und Reife spielen beim Wodka nur eine untergeordnete Rolle. Gelagert wird in Tanks aus Stein, Edelstahl oder Glas, damit sich kein zusätzliches Aroma mit dem Destillat verbindet.
 

Liebling an der Bar

Es ist der vollkommen zurückhaltende Geschmack des Wodkas, der ihn zu einer glänzenden Karriere an der Bar prädestiniert. Die Zahl der Cocktail-Klassiker, die auf das „Wässerchen“ setzen, ist beträchtlich, allein einer ist Legende: Mit dem in den 1950er Jahren aufkommenden Moscow Mule tritt der Wodka seinen Siegeszug als Barspirituose an.

Jenseits des klassischen puren Genusses von Wodka, der unbedingt Augenmaß und Gesellschaft verlangt, muss diese sentimentale Cocktail-Referenz an den sonst so rationalen Wodka erlaubt sein.

Die gesetzlichen Vorgaben für Wodka regelt die europäische Spirituosenverordnung in Anhang II. (Link auf Dokument unter Daten & Fakten)