Höhere Alkoholsteuern helfen nicht gegen Alkoholmissbrauch

Pressemitteilung März 2026

Bonn (BSI) – Vor dem Hintergrund aktueller politischer Forderungen nach höheren Steuern auf alkoholhaltige Getränke weist der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) darauf hin, dass Steuererhöhungen weder ein evidenzbasiertes Instrument zur Bekämpfung von Alkoholabhängigkeit darstellen noch durch die aktuellen Konsumdaten in Deutschland sachlich begründet sind. Systematische Reviews und Bewertungen internationaler Organisationen (u. a. WHO, OECD) zeigen, dass es keine robuste Evidenz für eine wirksame Reduktion von Alkoholabhängigkeit durch Steuererhöhungen gibt.

Die aktuellen Statistiken für Deutschland zeigen einen positiven Trend hin zu einem immer bewussteren Konsumverhalten – und das ohne jegliche Steuererhöhungen: Die Drogenaffinitätsstudie 2023 der BZgA (heute BIÖG) belegt, dass der regelmäßige Alkoholkonsum bei 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen seit über 20 Jahren stetig zurückgeht. Parallel ist der durchschnittliche Alkoholkonsum in der deutschen Bevölkerung seit den frühen 2000er-Jahren um rund 20 Prozent gesunken (OECD: Health at a Glance, Deutschland). Auch alkoholbedingte Krankenhauseinweisungen bei Jugendlichen gehen deutlich zurück und erreichten 2024 den niedrigsten Stand seit rund 25 Jahren (Statistisches Bundesamt; DAK-Gesundheit) und verzeichneten im Fünfjahresvergleich einen Rückgang um 62,5 Prozent (KKH).

In Anbetracht dieser Zahlen stellt sich die Frage nach dem Anlass für steuerpolitische Verschärfungen. Pauschale Steuererhöhungen adressieren nicht gezielt missbräuchlichen Konsum, sondern belasten vor allem verantwortungsbewusste Konsumentinnen und Konsumenten unverhältnismäßig. Dies gilt deutlich überproportional für Spirituosen, denn sie haben einen Anteil von lediglich rund 4 Prozent am Gesamtmarkt alkoholhaltiger Getränke, tragen jedoch bereits heute rund 70 Prozent des gesamten Alkoholsteueraufkommens (Bundesministerium der Finanzen). Eine repräsentative Studie von NielsenIQ für den BSI konnte nachweisen, dass 95 Prozent der erwachsenen Konsumentinnen und Konsumenten Spirituosen maßvoll und gelegenheitsbezogen genießen.

„Aufgrund aktueller Statistiken und wissenschaftlicher Analysen ist in Deutschland kein alkoholpolitischer Notstand zu erkennen. Dank erfolgreicher Präventionsarbeit weisen ganz im Gegenteil alle Zahlen auf einen zunehmend verantwortungsbewussten Konsumtrend hin. Unsere Mitgliedsunternehmen haben mit steigenden Preisen für Energie und Rohstoffe und einer konjunkturbedingten Kaufzurückhaltung zu kämpfen, was für viele mittelständische Unternehmen in Summe existenzbedrohend ist. Sie tragen mit ihren hochwertigen Genussprodukten für viele verantwortungsbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher aktiv zur Lebensfreude und zur sozialen Gemeinschaft bei. Steuererhöhungen würden die Situation für viele Unternehmen weiter verschärfen und maßvolle Konsumenten unverhältnismäßig belasten, ohne dass für die Suchtbekämpfung ein gesicherter Effekt zu erwarten wäre“, so Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin des BSI.

Der BSI setzt daher weiterhin konsequent auf Prävention und Aufklärung statt auf pauschale Verteuerung. Im Rahmen des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ engagiert sich die Spirituosenbranche seit vielen Jahren erfolgreich für eine konsequente Umsetzung des Jugendschutzgesetzes, der Alkoholprävention in Familien und während der Schwangerschaft und im Straßenverkehr sowie für effektive Selbstregulierung im Rahmen der Aktivitäten des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“. Die positiven Entwicklungen bei Jugendlichen belegen, dass Prävention wirkt – und dass Steuererhöhungen hierfür weder Voraussetzung noch Ersatz sind.

Der BSI spricht sich zusammenfassend für eine evidenzbasierte Alkoholpolitik mit Augenmaß aus. Wirksame Suchtbekämpfung erfordert gezielte Prävention, frühzeitige Intervention und den Ausbau von Hilfsangeboten – nicht pauschale Steuererhöhungen, die weder zielführend noch aktuell angezeigt sind.

Über den BSI:

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) ist die Dialog-Plattform der deutschen Spirituosenbranche und ihr politisches Sprachrohr sowie Dienstleister seiner vorwiegend mittelständisch geprägten Mitgliedsunternehmen in Deutschland. Mit einer Vielzahl von Direktmitgliedern, Landesgruppenmitgliedern, Fördermitgliedern und Kooperationspartnern vertritt der BSI namhafte Familienunternehmen und Craft-Hersteller sowie internationale Konzerne, die in Deutschland eine Niederlassung haben. Der BSI ist Mitglied in den deutschen Dachverbänden des Lebensmittel- und Ernährungssektors sowie in seinem europäischen Dachverband spiritsEUROPE.

Genutzte Quellen:
OECD: Health at a Glance – Deutschland.
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehem. BZgA): Drogenaffinitätsstudie.
Statistisches Bundesamt (Destatis): Krankenhausstatistik Alkoholintoxikationen.
DAK-Gesundheit: Auswertungen zu alkoholbedingten Krankenhausaufnahmen bei Jugendlichen.
NielsenIQ (Germany) GmbH: Konsummuster-Studie 2025 im Auftrag des BSI.
Bundesministerium der Finanzen: Alkoholsteuerstatistik.
KKH: https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/rauschtrinkenjugendliche 
 

Fragen beantwortet Ihnen gerne:
BSI-Geschäftsstelle
Angelika Wiesgen-Pick
Geschäftsführerin
Pfaffenweg 15
53227 Bonn
Telefon: 0228 53994-0
Telefax: 0228 53994-20
E-Mail: info@bsi-bonn.de 
Internet: www.spirituosen-verband.de

 

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