Konsequenter Jugendschutz braucht Compliance statt Verkaufsverbote für Spirituosen im Supermarkt und in Tankstellen

Pressemitteilung Mai 2026

Sensibilisierung und Personalschulungen sind der Schlüssel für funktionierenden Jugendschutz beim Verkauf alkoholischer Getränke


Bonn – Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) unterstützt ausdrücklich das Ziel eines konsequenten Kinder- und Jugendschutzes bei Verkauf und Abgabe alkoholhaltiger Getränke. Der Verband steht pauschalen Vertriebsverboten für Spirituosen, wie sie aktuell vom Marburger Bund gefordert werden, jedoch kritisch gegenüber. Mit einem Verkaufsverbot von Spirituosen würden etwa 4 Prozent des Marktes an alkoholhaltigen Fertiggetränken und ungefähr ein Fünftel des in Deutschland konsumierten reinen Alkohols aus Supermärkten und Tankstellen verbannt. Aus Sicht des BSI kommt für einen wirksamen Jugendschutz vor allem auf die konsequente Anwendung standardisierter Compliance-Prozesse an. In diesem Zusammenhang weist der BSI auf mögliche unbeabsichtigte Nebeneffekte wie Bevorratung, Vorzieheffekte oder unkontrollierte Ausweichkäufe durch Einschränkungen etablierter Vertriebsstrukturen hin.

„Wirksamen Jugendschutz erreicht man nicht durch neue komplexe gesetzliche Regelungen oder Eingriffe in gewachsene Handelsstrukturen, sondern durch die konsequente Umsetzung bestehender Gesetze und verlässliche Kontrolle, gute Information und regelmäßige Schulung. Entscheidend ist, dass da Verkaufspersonal sensibilisiert und praxisnah geschult ist. Hinzu kommt, dass Premium-Spirituosen in vielen Supermärkten heute aus Diebstahlschutzgründen nicht frei zugänglich sind und der Verkauf damit ohnehin in einem kontrollierten Rahmen erfolgt. Dazu leistet der BSI seit Jahren mit der Schulungsinitiative Jugendschutz einen aktiven Beitrag, damit auch kleinere Läden und Kioske Unterstützung bei der Umsetzung finden. Hier zeigen die BSI-Unternehmen Verantwortung – weit über den Bereich der Spirituosen hinaus, denn Jugendschutz kommt für sie eindeutig vor Umsatz“, betont Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin des BSI.

Mit der bundesweit größten Jugendschutzinitiative SchuJu (Schulungsinitiative Jugendschutz) engagiert sich der BSI seit Jahren gemeinsam mit Handel, Gastronomie, Tankstellen und Online-Handel für die praxisnahe Optimierung der Compliance beim Jugendschutzgesetz. Über 300.000 Zertifizierungen, ca. 2 Millionen Internet-Nutzer und 27 Partnerverbände zeigen, wie nachhaltiger Jugendschutz vor allem durch Qualifikation und Sensibilisierung an den Verkaufsstellen verbessert werden kann. Bei einer Verlagerung des Verkaufs in so genannte Alkoholshops bliebe die Aufgabenstellung die gleiche wie heute, denn entscheidend für einen funktionierenden Jugendschutz sind immer das Personal an der Kasse sowie technische Systeme, die eine Altersprüfung vereinfachen können. Beides wird von Handel und Tankstellen in Deutschland bereits heute umfassend umgesetzt.

Compliance-Herausforderungen betreffen nicht nur Spirituosen und spirituosenhaltige Getränke (ab 18), sondern auch alle anderen alkoholhaltigen Getränke (ab 16). Entscheidend bleibt daher die konsequente Einhaltung bestehender Altersgrenzen und Verkaufsregelungen über alle Produktsegmente und Vertriebsformen hinweg, wie sie durch die „Schulungsinitiative Jugendschutz (kurz: SchuJu)“ des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ des BSI gefördert wird (www.schu-ju.de).

Die aktuellen Statistiken für Deutschland zeigen seit Jahren – auch ohne verhältnispräventive Eingriffe – einen positiven Trend hin zu einem immer bewussteren Konsumverhalten: Die Drogenaffinitätsstudie 2023 der BZGA (heute BIÖG) belegt, dass der regelmäßige Alkoholkonsum bei 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen seit über 20 Jahren stetig zurückgeht. Parallel ist der durchschnittliche Alkoholkonsum in der deutschen Bevölkerung seit den frühen 2000er-Jahren um rund 20 Prozent gesunken (OECD: Health at a Glance, Deutschland). Eine repräsentative Studie von NielsenIQ für den BSI konnte nachweisen, dass 95 Prozent der erwachsenen Konsumentinnen und Konsumenten Spirituosen maßvoll und überwiegend anlassbezogen genießen.

Der BSI setzt sich deshalb weiterhin für einen ausgewogenen Ansatz ein:

  • konsequente Durchsetzung bestehender Jugendschutzregelungen,
  • Ausbau erfolgreicher Schulungsprogramme wie SchuJu,
  • Vermeidung unerwünschter Ausweich- und Bevorratungseffekte,
  • Erhalt von mittelständischer Wertschöpfung in Handel, Tankstellen und Gastronomie.

Über den BSI

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und Importeure e. V. (BSI) ist die zentrale Dialog-Plattform und das politische Sprachrohr der deutschen Spirituosenbranche. Mit rund 250 Mitgliedern – von Familienunternehmen über Craft-Hersteller bis hin zu internationalen Konzernen – steht der Verband für Vielfalt, Genuss, Verantwortung und Tradition.

Genutzte Quellen

  • OECD: Health at a Glance – Deutschland.
  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehem. BZgA): Drogenaffinitätsstudie.
  • NielsenIQ (Germany) GmbH: Konsummuster-Studie 2025 im Auftrag des BSI.

 

Fragen beantwortet Ihnen gerne:
BSI-Geschäftsstelle
Angelika Wiesgen-Pick
Geschäftsführerin
Pfaffenweg 15
53227 Bonn
Telefon: 0228 53994-0
Telefax: 0228 53994-20
E-Mail: info@bsi-bonn.de 
Internet: www.spirituosen-verband.de

 

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